658 Schwertransporte für neue Windräder im Kreis Euskirchen

Insgesamt 658 Schwertransporte werden bis Ende des Jahres zu den Windparks in Schöneseiffen und Oberreifferscheid durch den Kreis Euskirchen rollen. Ein Pilotprojekt begünstigt den Ausnahmeverkehr. Ein Bericht von B. Kehren und F. Küpper

Kreis Euskirchen.

Sie sind ein wenig wie die Heinzelmännchen: Sie kommen nachts. Und wenn das Eifelland wieder erwacht, ist die Arbeit getan. Doch im Gegensatz zu den sagenhaften Kerlchen sind sie für Nachtschwärmer unübersehbar. Gemeint sind die Fahrer und Logistiker, die mit großen Lastzügen und Begleitfahrzeugen Bauteile für neue Windräder bringen. Und sie kommen nun sehr häufig in die Eifel: Insgesamt 658 Schwertransporte werden bis Ende des Jahres zu den Windparks in Schöneseiffen und Oberreifferscheid rollen. Diese Anlagen werden „repowered“ – die alten Anlagen werden abgebaut und durch neue, leistungsstärkere ersetzt.

Normalerweise müssen diese nächtlichen Transporte von der Polizei begleitet werden – mit einem Fahrzeug, das den entgegenkommenden Verkehr warnt. Angesichts der hohen Zahl der anstehenden Transporte ist dieser Aufwand der Kreispolizeibehörde etwas zu groß. Nun ist es gelungen, auf Antrag der Polizei Euskirchen sowie der Straßenverkehrsämter des Kreises und der Städte Euskirchen und Mechernich, an einem Pilotprojekt des Landes teilzunehmen. Dadurch ist es möglich, dass diese Transporte von Privatfirmen begleitet werden.

In der Nacht zum Dienstag starteten erstmals vier dieser Transporte an der A 1-Abfahrt Wißkirchen: Über die B266 und durch Gemünd führte ihr Weg hinauf nach Schöneseiffen. Dafür wurden umfangreiche Vorarbeiten erledigt: So wurde der Kreisverkehr Mühlenpark teilweise abgetragen, damit er von den langen Fahrzeugen passiert werden kann. Beschilderungen wurden so installiert, dass sie für die Lkw schnell ab- und wieder aufgebaut werden können. In Gemünd, so erklärte Gereon Eich, Direktionsleiter Verkehr der Kreispolizei, werden die Kreisel am Dürener Berg und am Müsgesauel von den Transportern linksseitig passiert. Die Ampel im Ort besteht derzeit teilweise aus mobilen Elementen, die weggeschoben werden können.

Entlastung für die Polizei

„Wir haben im Januar bereits drei Schwertransporte begleitet“, so Gereon Eich. Für das Repowering des Windparks Schöneseiffen seien es dann von Februar bis April weitere 92 gewesen. Nun stehen noch 658 Transporte – 494 Konvois mit zwei bis drei Schwertransportern und 164 Einzelfahrten – an. Die Konvois starten beispielsweise, wenn die drei Rotorblätter für ein Windrad transportiert werden.

Für jede Fahrt ist üblicherweise eine Polizeibegleitung vorgesehen. „Das geht auf Dauer nicht“, so Eich. Deshalb hatte eine Expertenkommission eine Eingabe ans NRW-Innenministerium ausgearbeitet. Diese Kommission bestand aus Vertretern des Straßenverkehrsamts Euskirchen, der Transportunternehmen, der Betreiber der Windparks, der Firmen, die für die Begleitfahrzeuge verantwortlich sind, und der Polizei. Deren Vorschlag hat die Bezirksregierung entsprochen.

Der Kreis Euskirchen ist damit der siebte in NRW, der am Pilotprojekt teilnimmt. „Die Vorteile der Begleitung durch private Unternehmen liegen auf der Hand“, so Eich: „Die Polizei wird entlastet und die beteiligten Unternehmen können die Transporte flexibler abwickeln.“

Für das Pilotprojekt wurden private Begleitfahrzeuge entsprechend ausgerüstet. Auf dem Dach der silber-gelben Fahrzeuge sind gelbe Blinklichter und eine Tafel mit dem Schild „Achtung!“, ein Dreieck mit Ausrufezeichen, oder das runde Schild mit rotem Rand „Durchfahrt verboten“. Die Begleitfahrzeuge werden von den Firmen Dickel (Wilnsdorf, Kreis Siegen-Wittgenstein) und Abeln (Werlte im Emsland) gestellt. Für den Transport zuständig sind die Firma Bender aus Freudenberg und Vossmann aus Prinzhöfte im Landkreis Oldenburg.

Laut Eich werden die Transporte in dieser Woche noch von der Polizei begleitet. Für weitere Fahrten, die nicht mehr von den Beamten begleitet werden, gibt es zudem eine Kooperation mit Rheinland-Pfalz für den Fall, dass auf der Route von der A 1 ab Blankenheim über die B 51 zur Landesgrenze und weiter – etwa in Richtung Frankreich und Spanien – entsprechende Transporte nötig werden. Das Pilotprojekt läuft zunächst bis Ende des Jahres. Da wohl weitere Windpark-Projekte folgen, wollen sich die Beteiligten laut Eich um eine Verlängerung bemühen.

Fotos: Franz Küpper